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Gestatten: Penka Kouneva

(c) Lisa Bevis Foto: Lisa Bevis

Eine Komponistin auf dem Weg nach oben. Die gebürtige Bulgarin Penka Kouneva arbeitet seit 1999 in verschiedenen Musik-Jobs – meist als Orchestratorin – in Hollywood, wobei sie natürlich an der Stelle anfangen musste, wo selbst in der Traumfabrik kommerzieller Erfolg und künstlerische Anerkennung noch ein Traum sind. Die harte Arbeit zahlte sich aber aus und ihre Kompositionsaufträge werden von Jahr zu Jahr hochkarätiger. Ganz aktuell war sie zusammen mit Steve Jablonski am neuesten Teil der Prince of Persia-Computerspielreihe The Forgotten Sands beteiligt. 2008 schrieb sie die Musik zum Horrorfilm Midnight Movie, der auch hierzulande als DVD erhältlich ist. Unser Autor Basil Böhni sprach mit ihr über diese beiden Projekte.

Basil Böhni: Was waren Ihre ersten kompositorischen Ideen bezüglich der Musik zu…
Prince of Persia: The forgotten Sands:

Penka Kouneva: Steve Jablonsky komponierte zwei Themen für diesen
Videospiel-Score – ein Abenteuer-Thema und ein dunkleres Thema, welches zum eigentlichen Hauptthema wurde, für die kriegtreibenden Momente im Spiel. Mir wurde das Komponieren von zwei Stunden in-game-Musik anvertraut. Für die Musik haben wir uns einem kompletten Hollywood-Orchester, Chor, Perkussion, Synthi-Loops und persische Instrumente (Santour, Oud und Saz, Tambourin, Duduk und Nays, Sologesang und ein grosses Arsenal exotischer Perkussion. Ich stellte zu Beginn umfassende Recherchen in persischer Musikkultur, pakistanischer Qawwali-Musik und armenischer, türkischer und bulgarischer Folklore an. Einige dieser Lieder waren mit seit meiner Kindheit geläufig (Stichwort Qawwali-Sänger Nusrat Fateh Ali Khan).
Die musikalische Stossrichtung wurde uns von Simon Landry, Ubisoft Music Supervisor, wie folgt beschrieben: „dunkle, hastige, militaristische Musik als Hybrid zwischen dem Hollywood-Sound und persischer Musik, jedoch ohne arabische Klischees“.
Meine ersten kompositorischen Sketches schafften es nicht in den finalen Score, legten jedoch ein solides Fundament für meine finalen Kompositionen. Was mich sehr inspirierte war, dass ich ein Teil meiner bulgarischen Wurzeln, meiner Leidenschaft für fernöstliche Musik und meine Hollywood-Erfahrungen in diesem Kompositionsprozess habe einbringen können.

Midnight Movie:
Das erste Treffen mit Regisseur Jack Messitt hatte Diskussionen bzgl. dem Stil und Grundton des Scores zum Ziel – eine moderne Komposition, mit zittrigen Effekten für Spannungsmomente, furchterregendem Electronic-Programming für die „Stalking“-Momente und Orchester Crescendos für die „Attacken“. Das Aussergewöhnliche an diesem Film kam mit der erzählten Geschichte (der Killer eines Horrorfilms tritt während der Filmvorführung aus dem Film und beginnt, die Kinobesucher zu attackieren). Diese Synopsis verlangte von mir quasi zwei Filmmusiken ab: eine für den Film-im-Film und ein für den Film selbst. Die ersten Themen, welche ich komponierte, waren das Killer-Thema (vier fallende Noten) und das „Bridget’s Fear“-Thema.

Zu welchem Zeitpunkt wurdest du in die Produktion eingebunden?
Prince of Persia: The forgotten Sands:

Ich begann mit den Recherchen im August 2009 und mit dem Komponieren Ende Oktober 2009 (nachdem Steve Jablonsky’s Thema abgesegnet wurde). Unser Score musste im März 2010 finalisiert sein. Das Spiel wurde im Mai 2010 veröffentlicht. Für meine Arbeit erhielt ich von Ubisoft Unmengen an Bildmaterial. Mit diesem Material und meiner Spielerfahrung mit den früheren „Prince of Persia“-Videospielen hatte ich eine umfassende Inspirationsquelle. Ich war jedoch beauftragt, die Musik des 2008-Games nicht zu imitieren.

Midnight Movie:
Während ich bereits komponierte, erhielt ich bereits einen „final cut“ des Films mit nur noch geringfügigen ”šBrüchen’ drin. Ich hatte für meine Arbeit ein aussergewöhnlich grosses Zeitfenster von ca. drei Monaten. Die Zusammenarbeit mit Messitt habe ich sehr genossen und mit wöchentlichen Treffen war diese auch aussergewöhnlich intensiv.

Welches Projekt brachte grössere Herausforderungen bezüglich der Komposition mit sich?
Jedes Vertonungsprojekt bringt zum Glück seine eigenen und neuen Herausforderungen mit sich. In Bezug auf „Prince of Persia“ stellten die grosse Menge verlangter Musik sowie das umfassende Instrumentarium (Orchester, grosse Perkussionsabteilung, Synthesizer und all die exotischen Dreingaben) die eigentliche Herausforderung dar. Ich arbeitete mit meiner Crew während vier Monaten regelmässig 16 Stunden am Tag. Das schafft!
„Midnight Movie“ gab mir die sehr interessante Gelegenheit, zwei Filmmusiken für einen Film zu schreiben. Für den Film-im-Film wollte ich eine etwas satirisch angehauchte, ”šdatierte’ Musik schreiben. Dazu versuchte ich, Klischees der 70er Jahre Horrorfilme zu integrieren. Für die eigentliche Filmmusik wollte ich einen ernsteren und brutaleren Ton anschlagen.

Wie gestalten sich deine Kompositionsprozesse und mit was für Equipment hast du gearbeitet?
Die ersten Sketches und Ideen versuche ich stets abseits des Computers zu skizzieren – mit Papier und Bleistift. Nach diesen ersten Skizzen, setze ich mich an den Computer und starte die Sequenzierungsarbeiten. Dazu versuche ich möglichst, bereits gut ausgearbeitete Skizzen zur Hand zu haben – hier noch ”škrizteln’ und sketchen will ich nicht. Aber diese ersten Ideen verändern sich während der eigentlichen Phase des Auskomponierens jedoch durchaus weiter und können in eine andere Richtung steuern.

The Prince of Persia: The forgotten Sands:
Meine Stücke wurden fast alle mit Samples und in Zusammenarbeit mit MIDI-Programmierer Chris Lord finalisiert. Nur den Gesang von Ayana Haviv für die Themen und Motive der Razia (antike Königin) wurden live eingespielt und aufgenommen. Steve Jablonsky’s Thema und die ganze Musik für kinematographischen Einlagen (überwiegend von Jablonsky komponiert) wurden mit Orchester eingespielt.

Midnight Movie:
Alle meine Stücke wurden mit vorhandenen Samples eingespielt und aufgebaut. Auch hier wurde lediglich der Gesang der Sängerin Bonnie Lavine für den dritten Akt des Films live eingespielt. Mit diesem Gesang werden die Szenen untermalt, in welcher Bridget im Keller des Killers feststellen muss, wie viele Freunde von ihr und weitere Kinobesucher schon vom Killer geschnappt wurden. Diese Szenen und die Heldin Bridget verleihen dem Film eine Ernsthaftigkeit, welche ich sehr gerne musikalisch umgesetzt habe.


Prince of Persia: The Forgotten Sands
Steve Jablonski und Penka Kouneva
Ubisoft Music, download only
[25 Tracks; 45:19]

Auch für den erfolgreichen Sommerstreifen Prince of Persia: The Sands of Time (2010) gibt es für den Videospielmarkt ein Pendant: Prince of Persia: The Forgotten Sands. Die Musik für das aufwendige Jump’n’Run-Abenteuerspiel wurde von Steve Jablonsky und Newcomerin Penka Kouneva komponiert. Ihre Musik hat mit der Filmmusik von Harry Gregson-Williams wenig gemein.

Im ersten Track Forgotten Sands (Main Theme) wird das Hauptthema des Game-Scores vorgestellt. Dieses ist an sich überzeugend gelungen und hat ordentlichen Ohrwurmcharakter, doch klingt es allzu vertraut. Überhaupt ist die größte Schwäche an dieser Musik ihre Austauschbarkeit. Während 45 Minuten bekommt der Hörer die üblichen Action-Rhythmen und Orchesterklänge geboten. Das lässt sich absolut anhören, hinterlässt aber (bis evtl. auf das Hauptthema) keinen bleibenden Eindruck. Die fünf Beiträge von Penka Kouneva fallen gegenüber der routinierten Jablonsky-Komposition durch ihre interessantere Melodieführung positiver auf.

Die Videospielmusik von Steve Jablsonky und Penka Kouneva kann auf das eingängige Hauptthema (ein Zusatzstern in der Bewertung) und die ordentlich gelungenen Tracks von Penka Kouneva bauen. Die restlichen gut 25 Minuten sind komplett austauschbar und daher wenig interessant.

Bewertung:
Score von Jablonsky: ★★
Score von Kouneva: ★★★☆


Midnight Movie
Penka Kouneva
Howlin’ Wolf Records (limited edition of 1000 units)
[26 Tracks; 38:44]

Penka Kouneva liefert mir ihrer Musik zu Midnight Movie einen solid-seriösen Horror-Score. Wie es sich für Horrorfilmmusik gehört, kracht es dabei immer mal wieder ordentlich und die Dissonanzen kommen nicht zu kurz. Entsprechend ist dieser Score auch wohl eher etwas für die genre-affinen Hörer. Die Stärken der Musik zeigen sich besonders dann, wenn einzelne Motive und Themen durch die dissonante Partitur hindurch scheinen. Hier seien vor allem die Stücke Darkness and Fear, Bridget, your Father is not Here, Doctor Wayne, Josh fights the Killer und Bridget is Praying genannt.

Nicht wirklich zum Ausdruck kommt das Film-im-Film-Scoring-Konzept. Die Stücke, welche für den Film-im-Film geschrieben wurden, sind zwar entsprechend auf der CD deklariert, doch setzten sich diese vom restlichen Score zu wenig ab, als dass man die genannten Absichten einer „satirisch angehauchten, ”šdatierten’ Musik“ gemäß den 70er Jahren klar vernehmen könnte.

Kouneva hat eine funktionale Musik für Midnight Movie abgeliefert. Dabei kann einmal genretypisch von einem wirklichen Hörgenuss (mit Ausnahmen) gesprochen werden, doch das dürfte auch nicht primäres Ziel gewesen sein. Schade ist, dass die CD mit Mother – Last Chase so abrupt endet. Hier hätte eine abschließende Suite den Hörer wohl noch etwas versöhnlicher entlassen.

Bewertung: ★★★

Penka Kounevas Homepage