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Comment les séduire / Les Strip-teaseuses / Les Combinards (François de Roubaix)

Music Box Records MBR-002 [77:51 / 34 Tracks]

Der 1975 im Alter von nur 36 Jahren bei einem Tauchunfall tödlich verunglückte Francois de Roubaix swingt. Seine jazzig-experimentellen Soundtracks daher aber abschätzig als Easy Listening oder gar als Fahrstuhlmusik zu bezeichnen wäre nicht nur irreführend, sondern schlichtweg falsch, denn dafür hat sich Roubaix über die Jahre als zu origineller Kopf erwiesen, der die Experimente liebte und für einige der ungewöhnlichsten (französischen) Filmmusiken verantwortlich ist. Die drei Scores, die nun von Music Box Records veröffentlicht wurden, fallen in die früheste Phase seines Schaffens und sind verglichen zu ausgeflippten späteren Werken noch recht subtil und brav. Die erste auf dem Album präsentierte Filmmusik ist zugleich auch die jüngste: Comment les séduire entstand 1967 als Erotikfilm, für den Roubaix das Pseudonym Cisco El Rubio verwendete. Vorne angestellt ist ein jazziges, memorables Thema für Posaune, die – ganz im Stil von Peter Thomas – prägnant hervorsticht. Highlight dieses unterhaltsamen, mit vielen musikalischen Motiven versehenen Jazz-Scores ist daneben ein virtuoses Solo für Vibraphon, bevor der Komponist das eingängige Hauptthema bei diversen Gelegenheiten geschickt variiert. Etwas weniger überzeugend ist Les Strip-teauseuses, für den Roubaix zwar drei Leitmotive komponierte (einen melancholischen Walzer für Klavier, ein ruhiges Gitarren-Thema und ein Flötensolo), welcher aber ansonsten lediglich aus Hintergrundmusik für Partyszenen des Films besteht. Versöhnlicher stimmt da der Abschluss der runden Scheibe in Form von Les Combinards, für den der Franzose einen schwungvollen Walzer mit Jazz-Einflüssen als Gerüst aufstellte und diese Melodie in verschiedenen ryhthmischen Variationen und sowohl mit für Italien als auch für Spanien typischen Instrumenten (betreffend letztgenannten Landes Kastagnetten und einer Mandoline) verzerrt und verfremdet. Erstaunlich frisch und knackig ist nicht nur die Musik selber, sondern auch die Tonqualität (besonders im Fall des fast 45 Jahre alten Comment les séduire), sodass dem Studium dieser Soundtracks eines brillanten Schöpfers nichts mehr im Wege steht.
Stephan Eicke
★★★★