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Hans-Martin Majewski: Deutsche Filmmusikklassiker

Alhambra Records A 9000 [6 CDs: 460:00 / 279 Tracks]

Hans-Martin Majewski ist ein Phänomen. Er war zwar durchaus bereit, sich der seichten Populärmusik jener Zeit, den goldenen Jahren des Wirtschaftswunders, mit an Martin Böttcher gemahnenden Streicher-Unisono und recht simplen Perkussions-Rhythmen anzupassen. Doch den künstlerischen Ehrgeiz, auch immer wieder etwas Neues und Innovatives zuschaffen, behielt er aber stets bei. Durch herbe Dissonanzen mit dem Mut zum Experiment, etwa in der Symbiose der nicht selten originell gestalteten Orchestration durch ein ungewöhnlich zusammengesetztes Instrumentarium und dem von Majewski so geliebten Trautonium, dem frühzeitlichen Synthesizer, erzeugte er Klänge, die man in dieser Art gerade im deutschen Film noch nie gehört hatte und wie sie seitdem auch selten wieder zu vernehmen waren.
Das Set präsentiert nun all diese schillernden Seiten, viel Licht, ein wenig Schatten, mit allen Facetten und somit auch Qualitätsschwankungen, wie es ein jedes Set wahrscheinlich tun muss, um einen Künstler in all seiner Vielseitigkeit zu repräsentieren. Man tut gut daran, denn jenseits der auf dieser Box rar vertretenen, leichten „Tanz“musik gibt es viel zu entdecken: Schachnovelle etwa, eine vorzügliche Klangkomposition, die sich immer weiter parallel zum Verfall des Hauptcharakters Curd Jürgens inklusive melancholischem Wiener Walzer steigert. Oder Der Schimmelreiter, ein Highlight der (deutschen) Filmmusik für Gitarre, Perkussion, Harfe, Solo-Bassklarinette und Streicher. Oder auch Das fliegende Klassenzimmer, über dessen Konzept mit volkstümlichen Instrumenten für die „coolen“ Jugendlichen man heute schmunzeln mag, deren Verwendung eines in unterschiedlichen Tonbereichen spielenden Mundharmonika-Trios für die Schneeballschlacht-Szene allerdings noch immer erstaunlich gut funktioniert und originell wirkt. Es gibt in der Tat viele Highlights auf diesem liebevoll gestalteten Set, das auch Nasser Asphalt beinhaltet, eine mit Passagen an den „Cool Jazz“ gemahnende Komposition, die dem Künstler den Bundesfilmpreis in Silber für die beste Filmmusik einbrachte. Während – erfreulicherweise – einige Scores komplett in der hier rezensierten Sammlung vertreten sind, werden von anderen Werken – ebenfalls begrüßenswert – die markantesten Highlights präsentiert, so dass von Abwechslungsarmut zu keiner Sekunde die Rede sein kann. Dass auch in dem auf CD unterrepräsentierten Deutschland der 50er und 60er Jahre viel Hörenswertes geboten wurde, ist eine fast unvermeidliche Floskel, die man nicht anbringen muss – aber kaum eine Box der letzten Jahre beweist das derart überzeugend wie das Alhambra-Set mit all den Facetten eines Hans-Martin Majewski, die nun entsprechend gewürdigt werden können.
Stephan Eicke

★★★★