Transit (Christoph Zirngibl)

MMS14012/KRONCD044 (36:27/17 Tracks)

Transit ist einer jener zahlreichen deutschen Kino-/TV-Produktionen der letzten Jahren, die – ebenso wie Trans Bavaria von Konstantin Ferstl oder Homevideo mit Wotan Wilke Möhring – nicht die Aufmerksamkeit der Zuschauer erhalten haben, die sie verdient hätten. Schade. Schade im Fall von Transit deshalb, weil Regisseur Philipp Leinemann mit seinem Porträt des LKW-Fahrers Martin (Clemens Schick), der sich eines Nachts nicht nur mit seiner beruflichen Zukunft, sondern auch mit einer Prostituierten (Annika Blendl) auseinandersetzen muss, die vor ihrem Freier geflohen ist, hier ein konsequentes, kompromissloses Stimmungsbild gelungen ist, das neben überzeugenden darstellerischen Leistungen vor allem von der beklemmenden Atmosphäre lebt. Komponist Christoph Zirngibl fasst diese Beklemmung in Noten: Mit elektronischen Flächen, schwermütigen Gitarrensoli und dissonant treibenden Streichern des Filmorchesters Babelsberg liefert er den für den Film perfekten Soundtrack ab. Jahrelange Erfahrung lehrt uns Filmmusikfans aber doch, dass nicht jede Musik, die im Film funktioniert, auch auf CD funktionieren muss. Zirngibls Musik wirkt auf 40 Minuten unnötig gestreckt und oft zäh, trotz ihrer atmosphärischen Dichte, der Düsternis, die sie zu transportieren vermag, aufgrund des Fehlens prägnanter thematischer oder motivischer Ideen in den rein atmosphärischen Spannungsstücken beliebig und rein filmdienlich. Nicht diese Flächen sind es, die das Potential ihres Komponisten offenbaren, sondern die melodisch inspirierte, einfühlsame aber doch niemals sentimentale Vertonung Martins innerer Zerrissenheit, die, vorgetragen von Gitarre und/oder Klavier, im Verlauf des Albums geschickte Variationen erfährt. Tatsächlich hätte Transit als Suite von einer Viertelstunde Laufzeit hervorragend funktioniert – in ihrer Gesamtheit vermag sie nicht zu fesseln.
Stephan Eicke