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MSH 2015 – Menschen zusammenbringen

MediaSoundHamburg 3.-12. Juli 2015
Ein Bericht von Stephan Eicke

Die FilmSoundHamburg, die vier Jahre lang in Blankenese stattfand, heißt nun MediaSoundHamburg. Damit hat sie sich nun auch offiziell dem Namen nach anderen Richtungen der auditiven Mediengestaltung – Game-Musik, Sound Design und Foley – geöffnet. Ansonsten hat sich nichts geändert. Und das ist auch gut so.
Die MSH ist nach wie vor in ihrem Konzept einzigartig. Über eine Woche lang leben die zahlreichen Teilnehmer an einem Ort zusammen, um gemeinsamen Interessen nachzugehen – ein bisschen wie „Der Bachelor“, allerdings ohne Konkurrenzkampf sondern in freundlichem Miteinander. Auch der Veranstaltungsplatz ist mit dem eleganten Elsa Brändström-Haus derselbe geblieben, bietet es doch die geeigneten Modalitäten für die Unterbringung und Verpflegung der Teilnehmer sowie genügend Räume für die Meisterklassen, Workshops, Vorträge, Moderationen, die spontanen Jam-Sessions, Foren und Partys. Dass sich dieses Konzept bewährt hat wird nicht nur deutlich, indem die Veranstaltung bereits zum fünften Mal ausgetragen wurde sondern auch durch die Rückmeldungen der Teilnehmer. „Es ist ziemlich schwierig, in Worte zu fassen, was ich für diesen Ort empfinde. Ich weiß nur, dass meine Augen mit Tränen der Freude gefüllt sind. An diesem Ort sind einige meiner Vorstellungen über den Sinn des Lebens wahr geworden. Musik überwindet Brücken… Musik heilt Menschen… Musik bringt Menschen zusammen. Hier habe ich mir geschworen, bis ans Ende meines Lebens nichts anderes mehr zu machen außer Musik. Hier versicherte mir einer der besten Musiker überhaupt, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Das ist ein erster entscheidender Schritt von vielen, die noch kommen werden. Ich danke jedem, der ein Teil hiervon war. Ihr seid nun ein großes Kapitel meines Lebens“, schrieb etwa die ägyptische Komponistin Hayat Selim, merklich beeindruckt, gerührt und beeinflusst von ihrem Erlebnis im Juli in Hamburg.

Wer wie Selim in der Film- bzw. Medienmusik erfolgreich werden will, wurde tatsächlich gut beraten, denn mit Gary Yershon (der für seine *Mr. Turner*-Partitur für einen Oscar nominiert war) und Youki Yamamoto (dem Orchestrator von Patrick Doyle und Rachel Portman) gaben gleich zwei erfahrene Künstler Meisterklassen, in denen die aufstrebenden Musiker auf die Erfordernisse im harten Berufsalltag vorbereitet wurden. Am hilfreichsten mag in dieser Hinsicht Yershons Herangehensweise gewesen sein, der einige Wochen zuvor seinen Schülern bereits Hausaufgaben zur Vorbereitung übermittelte, indem sie wahlweise ein oder zwei konträre Kurzfilme mit ihrer eigenen Musik unterlegen sollten. Die Ergebnisse wurden anschließend im Rahmen der Veranstaltung diskutiert. Da Yershon aber natürlich um den Zeitdruck in der Filmindustrie weiß, hat er seine Teilnehmer nicht so einfach davon kommen lassen und sie am dritten Veranstaltungstag mit einem sechsminütigen Filmclip überrascht, für den es ein Konzept zu erarbeiten, umzusetzen, vorzustellen und zu verteidigen galt – innerhalb weniger Stunden wohlgemerkt. Die Ergebnisse waren beeindruckend und zeigten von hohem künstlerischem Können – wenn die Zukunft der Filmmusik in diesen Händen liegt, so schloss der britische Komponist, brauchen wir uns kaum über deren Qualität zu sorgen.
Yamamoto hatte eine ganz ähnliche Herangehensweise und erläuterte nicht nur bestimme Tricks und Kniffe einer guten Orchestrierung sondern erklärte anschaulich die verschiedenen Schritte von der ersten musikalischen Skizze bis zur fertigen Partitur. Auch hier mussten die Teilnehmer aktiv tätig werden und eine Klaviersequenz für Orchester adaptieren. Die Ergebnisse konnten sich sehen und hören lassen – aus der anberaumten Veranstaltungszeit wurde in der Tat das bestmögliche herausgeholt.

Die Orchestrations-Klasse von Youki Yamamoto

Auch andere Themen wurden ins Scheinwerferlicht gerückt; etwa, als Sound-Designer Elias Struck Schulkindern zu deren sichtlichem Vergnügen und mit großem Unterhaltungswert die Grundkenntnisse des Sound-Designs beibrachte. Mit Glen Gathard, Peter Hanson und Pete Burgis waren drei mehrfach ausgezeichnete und an diversen prestigeträchtigen Projekten beteiligte Foley-Künstler, die Erzeuger von Geräuschen in der Post-Produktion, angereist, um mit ihren Teilnehmern, bewaffnet mit der besten technischen Ausrüstung, praxisnah stummen Filmsequenzen entsprechend Leben einzuhauchen, indem man passende Geräusche im Umfeld einfing. In mehreren Foren und Workshops wurden Einblicke in die Vienna Symphonic Sample-Library gegeben, die passende Herangehensweise bei der Vertonung von interaktiven Videospielen diskutiert, Strategien zur Selbstvermarktung junger Berufsstarter vorgestellt, ein Einblick in die fachmännische Nutzung von ProTools gewährt und das sogenannte Sound-Branding erläutert, bestimmten Marken einen entsprechend markigen Klang zu verpassen.

Umrahmt wurden die Präsentationen, Workshops und Vorträge von der Verleihung des „Young Talent Awards“, in dessen Rahmen die Preise für die besten Untermalungen einer Videospielsequenz verliehen wurden. Sowohl für die Preisträger als auch für die Zuschauer war dies eine lohnende und überaus unterhaltsame Veranstaltung durch den Auftritt des Kaiser Quartetts, das unter anderem die Einreichungen der ermittelten Gewinner live darbot. Auch für die Abschlussfeier hatte sich Organisator Achim Esser-Mamat etwas besonderes einfallen lassen und konnte mit Delio Malär auf einen Schauspielschüler als brillanten Entertainer und Moderator zurückgreifen, der die bunte Mischung aus Spiel, Gesang und musikalischer Diskussion zusammenzuhalten vermochte. Der Höhepunkt des Abends war neben dem selbstverständlichen gemütlichen Beisammensein von Menschen, die inzwischen zu Freunden geworden waren, der Auftritt des renommierten Songschreibers Michel van Dyke, der bereits mit Simple Minds und Oasis auf der Bühne stand. „Achim, danke, dass du dieses Event ins Leben gerufen hast! Danke an alle!“, schloss Teilnehmerin Bea Henkel im Gästebuch. Die MSH hatte sich wieder als lohnendes, verbindendes, lehrreiches, kurzweiliges, unterhaltsames, familiäres und schlicht freundliches Filmmusik-Event bewiesen.