The Man From U.N.C.L.E. (Daniel Pemberton)

USA/UK 2015/Musik-VÖ: 07.07.2015
WaterTower Music WTM39694
[80:37/28 Tracks]

Guy Ritchie macht gerne mal Dinge, die die Welt nicht braucht. Zum Beispiel Filme mit Madonna oder Krimis, die so selbstverliebt in ihrem Äußerlichen schwelgen, dass sie ob all des hemmungslosen Narzissmus’ alles Inhaltliche vergessen. Das mit Madonna ist seit der Trennung glücklicherweise lange vorbei. Das mit dem Narzissmus leider noch nicht. Und so entstand The Man from U.N.C.L.E., den man noch nicht einmal mit Sonnenbrille ertragen kann, so blendet seine gestylte Hülle und so unnötig ist das Gesamtkunstwerk, angesichts der immer noch schön anzusehenden Original-TV-Geheimagenten-Serie von 1964-1968. Wie kann man einem solch mittelmäßigen, überflüssigen Film dennoch so unsagbar dankbar sein? Nun, weil er einem gewissen Daniel Pemberton die Gelegenheit gegeben hat, eine der besten Filmmusiken dieses Jahrzehnts zu schreiben? Zum Beispiel!
Pemberton, Ende 30 und Engländer, ist wie durch ein Wunder in einem Jahr, in dem er nur die Musik zu Cuban Fury zu bieten hatte, mit den „Discovery Of The Year“-Preis bei den World Soundtrack Awards ausgezeichnet worden. Nun bedankt er sich nachträglich mit einem Wunderwerk of Cool.
Wenn Guy Ritchie einen Song wie Compared To What von Roberta Flack an den Anfang (auch des Soundtracks) setzt, sollte man meinen, dass keine Musik da mehr gegen ankommt. Doch dann kommen Out Of The Garage, His Name Is Napoleon Solo und Escape From East Berlin. Drei Tracks mit zehn Minuten Musik, die den Cool-Klassiker mühelos, nein, nicht toppen, sondern ergänzen. Klarinetten, Flöten, E-Gitarren und E-Spinett lassen keinen Zweifel, dass wir im Agentenfilm der 1960er Jahre sind. Alles noch keine Kunst, doch mitreißende Tempiwechsel und ein spielerisches Gefühl dafür, wie man wann welches musikalische Klischee zu präsentieren hat, machen das Bekannte neu.
Dank der Tatsache, dass man Filmmusik ohne die manierierten Kinobilder goutieren kann, provozieren Pembertons jazzige Instrumental-Nummern ein völlig autarkes Kopfkino, mit dem kein Agent im Film mitkommt. Mein Gott, man müsste den Mann unbedingt James Bond vertonen lassen, damit hier endlich auch mal wieder akustisch Standards gesetzt werden. Über 80 Minuten und 28 Tracks hinweg hat man bei Pemberton die Gewissheit, Genre-Musik aus einem Guss zu hören, ohne dass sich merklich Wiederholungen einschleichen. Sämtliche Tracks sind mit Sinn und Verstand gebaut, rund und eigenständig. Von 007-Romantik
(Into the the Lair) bis Miss Marple auf Speed (Laced Drinks) ist alles dabei, was die Herzen des Filmmusikliebhabers höher schlagen lässt. Ein paar italienische Hüftwipp-Klassiker wie Il Mio Regno von Luigi Tenco oder Che Vuole Questa Musica Stasera von Peppino Gagliardi runden das ganze Vergnügen noch lange nicht ab. Immerhin weht zum Ende auch noch ein wenig Giallo-Flair herüber wenn The Drums Of War eigentlich eher mit Gitarren und Geigen daherkommt, bevor es dann zweieinhalb Minuten im Dauerschlagwerk maschinengewehrt. Natürlich darf auch die Verbeugung an Ennio Morricone nicht fehlen (Take You Down und We
Have Location
), bevor uns Nina Simone mit Take Care Of Business daran erinnert, mal wieder Luft zu holen. Worum geht es eigentlich noch mal in dem Film The Man from U.N.C.L.E.? Keine Ahnung, längst vergessen. Derweil läuft der Soundtrack in Endlosschleife.

★★★★★

Jörg Gerle

Meisterwerk mitreißende Mitschwingmusik zwischen Jazz, 007 und einen paar Dollar mehr.